Wernigeröder Justiz im Nationalsozialismus im Fokus

(PP-Justiz) Fälle aus dem Harz stehen im Mittelpunkt der Ausstellung „Justiz im Nationalsozialismus. Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes“, die am Montag, 24. November, im Amtsgericht Wernigerode, Rudolf-Breitscheid-Straße 8, eröffnet wird und bis zum 23. Januar 2015 zu sehen ist. Neue, speziell für den Standort Wernigerode erarbeitete Tafeln ergänzen damit die Ausstellung, die zuletzt am Kammergericht Berlin zu sehen war.

Es werden Opfer der NS-Justiz aus dem Raum Wernigerode vorgestellt, darunter der jüdische Kaufhaus-Inhaber Max Kirschstein (1875-1942?), dem die insgesamt 100. Tafel gewidmet ist. Er war 1937 wegen „Rassenschande“ zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden, weil er eine Beziehung zu einer „arischen“ Frau unterhalten hatte. Thematisiert wird aber auch die von NS-Behörden betriebene Verfolgung des späteren ersten Nachkriegsbürgermeisters von Wernigerode, Max Bach (1889-1969) und anderer Einwohner der Stadt. Zudem dokumentiert die Ausstellung die Tätigkeit des in Wernigerode ansässigen Amtsgerichts und die Aufgaben der dort tätigen Richter. 

Sachsen-Anhalt setzt sich im Rahmen dieser Ausstellung intensiv mit der nationalsozialistischen Justizgeschichte unseres Bundeslandes auseinander. Besuchern wird vor Augen geführt, zu welchen Exzessen die Justiz in einem totalitären System fähig sein kann. Opfer bekommen ein Gesicht, und es wird gezeigt, wie einzelne Richter agierten.

Möglich ist dies, weil Juristen, Historiker und Vertreter von Vereinen und Verbänden auf Initiative der Veranstalter gemeinsam geforscht haben. So ist in den Jahren 2008 und 2009 eine breit gefächerte Ausstellung zusammen getragen worden, die seit dem mit jedem neuen Standort weiter wächst. „Das die Ausstellung jetzt einhundert Tafeln umfasst, zeigt den großen Erfolg des Projekts“, so Justizministerin Prof. Angela Kolb.

Das Ausstellungs- und Bildungsprojekt wird getragen vom Ministerium für Justiz und Gleichstellung, der Stiftung Gedenkstätten und der Landeszentrale für politische Bildung und der Heinrich-Böll-Stiftung. Daneben beteiligen sich regionale Partner. Durch die Stiftung Gedenkstätten werden im Vorfeld der Eröffnung Schülerinnen und Schüler zu „Guides“ ausgebildet, die Besuchergruppen durch die Ausstellung führen.

Anja Schrott
Ministerium für Justiz und Gleichstellung
des Landes Sachsen-Anhalt
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